Große Aufregung herrschte in der Innenstadt, nachdem Familie S. während eines Bummels durch die Einkaufspassage ihren Haushaltsvorstand, den leitenden Beamten Herbie S., nach Dienstschluss bei einer offenbar steuerfreien Nebenbeschäftigung entdeckte. Nach langen Gesprächen stellte sich heraus, dass Herbie S. ein Opfer der Verwaltungsreform geworden war. Er wurde vom leitenden zum leidenden Beamten. Diesem Druck hielt er letztendlich nicht mehr stand und er landete wie so viele, die mit der harten Realität des Lebens nicht fertig werden, in der Einkaufspassage seiner Stadt. Wie aber konnte es soweit kommen? Gestern noch Herr über ein Heer von mündigen Bürgern. Von einem Tag auf den anderen nur noch ein Diener des Staates und somit des mündigen Bürgers. Plötzlich sollte ein bis dahin reines Politikergewäsch Wirklichkeit werden. Der leitende Beamte Herbert S. sollte seine staatshoheitlichen Aufgaben plötzlich nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten nachkommen. Der mündige Bürger war nun kein mündiger Bürger mehr, sondern ein Kunde, der umworben werden musste. Hier wird wieder einmal deutlich, dass den meisten unserer Politiker ein Bezug zur Realität völlig fehlt. Wie soll es dieses Opfer politischer Inkompetenz verkraften, plötzlich vom Herr zum Knecht verurteilt worden zu sein. Ein über Jahrhunderte erproptes und perfektioniertes Beamtentum lässt sich nicht von heute auf morgen ins Gegenteil verkehren. Man denke auch mal an den mündigen Bürger. Der Bürger ist allenfalls dann mündig, wenn er sich Mc Donald, Pizza Bringdienst, 88 Fernsehkanäle und jeden Tag zwei Fußballliveübertragungen auf Premiere World reinziehen kann. Von einem deutschen Beamten will ein mündiger Bürger wie ein Untertan behandelt werden, damit er hinterher was zu erzählen hat. Wird der Beamte diesen Anforderungen nicht gerecht, erschrickt der Bürger womöglich zu Tode und beantragt in seiner Panik einen Ausreiseantrag. Doch sollten wir alle auch nicht zu pessimistisch sehen. Dieses Experiment mit der Verwaltungsreform muß auf Dauer einfach schief gehen, wie so vieles, was uns Politiker beschert haben Schwarz ist schwarz, weiß ist weiß, Beamter ist Beamter, egal was uns Politiker weiß machen wollen. So wird auch der momentan leidende Beamte Herbert S. sein Leiden eines Tages beenden und zum mündigen Bürger wieder sagen können: „Tut mir leid, wir haben jetzt Mittagspause. Kommen Sie bitte morgen wieder“. Der mündige Bürger und Familie S. werden hierfür dankbar sein! |